Regionalsport Rheintal 28.08.2012 13:53:00

Swiss Cycling weiss mehr als Gott

Swiss Cycling weiss mehr als Gott
RHEINTAL. Die 19-jährige Jolanda Neff und der 23-jährige Thomas Litscher brillierten beim letzten Lauf des BMC Racing Cups in Muttenz. In Weltklasse-Starterfeldern fuhr Neff auf den zweiten und Litscher auf den dritten Platz. Beide konnten olympisch dekorierte Athleten hinter sich lassen.
YVES SOLENTHALER

Weshalb etwas so und nicht anders ist, weiss nur der liebe Gott - dies sagte meine Mutter jeweils zu mir, wenn ich sie als Kind mit von Neugier befeuerten Fragen löcherte.

Weshalb die Thalerin Jolanda Neff an den Olympischen Spielen in London nicht starten durfte, weiss nur Swiss Cycling.

Drei WC-Siege, EM-Titel …

Jolanda Neff ist wohl weltweit das herausragende Mountainbike-Talent, sie hat trotz gesundheitlich beeinträchtigter Vorbereitung eine Saison mit drei U23-Weltcup-Siegen und dem Europameistertitel hinter sich. In den letzten Rennen war sie stets schneller als die Schweizer Olympia-Starterinnen Esther Süss und Katrin Leumann. Zudem gewann sie den Schweizer Meistertitel sowohl bei den U23-Frauen als auch im Elite-Eliminator. Keine Schweizer Frau hat einen auch nur annähernd so grossen Erfolgsausweis vorzuweisen.

Dass ihre Olympia-Nomination kein Fehler gewesen wäre, bewies Jolanda Neff auch im letzten Rennen der international renommierten Schweizer Rennserie BMC Racing Cup: In Muttenz konnte sie sich von Anfang an vorne einreihen. Sie fuhr im Spitzenquintett mit der Britin Annie Last, der Deutschen Sabine Spitz, der Russin Irina Kalentieva und ihrer Teamkollegin Esther Süss. «Ich war also umzingelt von Olympionikinnen», schrieb Neff auf ihrer Homepage vielsagend.

Das Palmarès ihrer Mitstreiterinnen: Last war als beste U23-Athletin Achte an den Olympischen Spielen (Grossbritannien gab im Gegensatz zur Schweiz auch U23-Fahrerinnen eine echte Selektionschance), Spitz gewann in London die Silbermedaille, Süss fuhr als Fünfte in London das Rennen ihres schon 38-jährigen Lebens und Kalentieva ist mehrfache Weltmeisterin.

Ein Trio sprintet um den Sieg

Die fünf Spitzenfahrerinnen blieben in Muttenz bis zur letzten Runde zusammen. Im Flachen wurde sehr belauernd gefahren, in den Aufstiegen gab es aber immer wieder einzelne Attacken. Im letzten Aufstieg, in dem Sabine Spitz an der Führenden Jolanda Neff vorbei fuhr, bildete sich eine Lücke: Nur noch Annie Last konnte folgen, und so war klar, dass dieses Trio die Podestplätze belegt.

Auf der Zielgeraden zog die Deutsche den Sprint an. Neff folgte als Erste, aber auch Last konnte noch Tempo zulegen. Auf einer Höhe rasten die drei dem Ziel entgegen. Die Britin überquerte die Ziellinie mit einer Radlänge (zwei Zehntelsekunden) Vorsprung - das war von Auge noch sichtbar. «Aber ich wusste im Ziel zuerst gar nicht, ob ich Zweite oder Dritte war», sagt Neff. Der Zielfilm entschied: Mit dem Minimalvorsprung von 1/100-Sekunde hat Neff die Olympia-Medaillengewinnerin auf den dritten Platz verwiesen. Kalentieva und Süss erreichten das Ziel mit rund 12 Sekunden Rückstand. Auch in der U23-Gesamtwertung wurde Neff Zweite hinter Last.

In zwei Wochen findet in Leogang-Saalfelden (Österreich) die WM statt. «Die im letzten U23-Jahr fahrende Annie Last ist die grosse Favoritin auf den Titel», sagt Neff. Sie ist noch im ersten U23-Jahr, als Juniorin brachten ihr Weltmeisterschaften nie Glück. Deshalb ist es verständlich, dass Jolanda Neff die Favoritenrolle von sich weist. Doch sie dürfte zumindest die aussichtsreichste Widersacherin der Britin sein.

Der U23-Weltmeister Thomas Litscher hat hingegen ein schwieriges Jahr hinter sich. Wegen Krankheiten und Verletzungen kam er lange nicht in Form, deutete aber an den Schweizer Meisterschaften in Balgach mit einem regelmässigen Cross-Country-Rennen und vor allem dem Titel im Eliminator Sprint seine steigende Formkurve an.

Litschers Form stark verbessert

Litscher fuhr direkt vom dreiwöchigen Höhentrainingslager in St.Moritz nach Muttenz. Die spezielle Strecke auf der Pferderennbahn mit nur einem kurzen, steilen Aufstieg, aber vielen Singletrails und technischen Hindernissen gefällt dem Thaler.

Auch im Rennen der Männer bildete sich eine hochkarätige Fünfer-Spitze mit Nino Schurter (Olympia-Silber), Marco Aurelio Fontana (Olympia-Bronze), Lukas Flückiger, Florian Vogel und Thomas Litscher. Am Schluss des letzten Anstiegs blieben noch Litscher, Schurter und Flückiger übrig. Als nach Papierform stärkster Sprinter freute sich Litscher auf den Spurt, was wohl seine Konzentration kurz beeinträchtigte: «Ich blieb an einem Baum hängen, der trotz meines massiven Kampfgewichts nicht klein beigeben wollte.» So fuhr Litscher wenige Meter hinter Sieger Schurter und Flückiger im Ziel ein.

«Ich bin happy, dass ich wieder zuvorderst mitfahren konnte. Es nervt aber schon ein bisschen, dass ich nicht um den Sieg sprinten konnte», sagt Litscher.

Litscher nicht an der WM

An der WM ist Litscher wohl nicht dabei, er wurde nur als Ersatzfahrer nominiert. Aufgrund seiner insgesamt verkorksten Cross-Country-Saison ist das verständlich, aber im erstmals ausgetragenen Eliminator Sprint hätte Litscher zu den Favoriten gezählt. Swiss Cycling hat die Selektion jedoch nur aufgrund der Cross-Country-Resultate vorgenommen.

Ob der liebe Gott weiss, weshalb die Schweiz die Möglichkeit einer Sprint-Goldmedaille aus freien Stücken vergibt, ist fraglich. Der Schweizer Verband wird es aber schon wissen.

 
 

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