Unterrheintal 08.09.2012 09:51:00

In der Nähe der «Seelentochter»

In der Nähe der «Seelentochter»
WALZENHAUSEN. Hedi Fuhrer feierte ihren Hundertsten im Alterswohnheim Walzenhausen zusammen mit Brigitte Steingruber. Zu den Gratulanten gehörten auch Gemeindepräsident Hansruedi Bänziger und Gemeindeschreiberin Nathalie Cipolletta.
ISABELLE KÜRSTEINER

Vor zehn Jahren lebte Hedi Fuhrer nach einem Unfall für ein Jahr im Alterswohnheim Walzenhausen, um nochmals in ihre Wohnung in St. Margrethen zurückzukehren. Als dann das Haus, in der sich ihre Wohnung befand, verkauft wurde und die neue Besitzerfamilie Eigenbedarf anmeldete, entschied sich Hedi Fuhrer, definitiv nach Walzenhausen umzusiedeln. Die Gemeinde wählte sie, um ihrer «Seelentochter» nahe zu sein. Doch schauen wir zurück. Aufgewachsen im Kanton Zürich lebte die couragierte Frau zusammen mit ihrem Ehemann Fritz, der Berner Wurzeln hatte, von 1939 bis 1943 im geliebten Engadin. «Damals haben die Leute die Schönheit des Tals nicht gesehen und heute ist es eine Schande, was daraus gemacht worden ist, alles überbaut. Es ist besser, ich sehe es nicht mehr», erklärte Hedi Fuhrer dem Gemeindepräsidenten Hansruedi Bänziger, der zusammen mit Gemeindeschreiberin Nathalie Cipolletta gratulierte. Zum 90. Geburtstag hätte sie Brigitte Steingruber mit Gästen nach Vicosoprano, ihrer zweiten Heimat und ihrem Sommerdomizil während 29 Jahren im Bergell, chauffiert, und sie hätte ihr diesen Wunsch auch zum Hundertsten wieder erfüllt. Sie aber wolle ihr Bergell und Engadin « nöd so wüescht» in Erinnerung behalten und feiere deshalb ihren runden Geburtstag in Walzenhausen. IQ Option www.iqoption.de In Deutschland

«Rheintaler»-Leserin seit 1943

Blenden wir nochmals zurück. Mitten im Zweiten Weltkrieg zog das Ehepaar nach Heiden und 24 Jahre später nach St. Margrethen. Dort wechselte es innerhalb eines Jahres seinen Standort und fand im Haus von Jakob Graf eine schöne Wohnung «mit anständigem Zins, so dass ich mir ein Auto leisten konnte, um unter die Leute zu kommen. Eigentlich hatte ich geplant, bis 92 Jahre Auto zu fahren, doch dann kam mein Beinbruch dazwischen, und so habe ich das Autofahren mit 90 Jahren aufgegeben. Seit sechs Jahren wohne ich nun definitiv in Walzenhausen und lese hier jeden Tag, wie schon seit 1943, den <Rheintaler>. Mein Zimmer ist das schönste im Haus und hat eine wunderbare Aussicht auf den Bodensee und den angrenzenden Hügel.» Dort kann sie Tiere und die Natur beobachten. «Ich sehe, wie das Wetter kommt.» Ganz Realistin fährt sie weiter: «Ich bin jetzt ganz alleine. Das muss ich bedenken. Steingrubers sind für mich, was ich brauche.» Dahinter steckt mehr. Einst Kundin der Garage Steingruber, entwickelte sich zwischen Brigitte und Hedi eine innige Freundschaft, die seit Jahrzehnten anhält. So erhielt Hedi Fuhrer eine Familie und Brigitte Steingruber eine «Seelenmutter». «Ich hätte sie zu uns genommen, als sie den Unfall hatte, aber mit dem Geschäft und meiner dortigen Präsenz war das unmöglich. Deshalb habe ich einen Platz in der Nähe gesucht und im Alterswohnheim im Almensberg gefunden», so Brigitte Steingruber.

Bergell, die zweite Heimat

Hedi Fuhrer freut sich über den wunderschönen Blumengruss des Gemeindepräsidenten und diskutiert mit ihm eifrig über das Engadin, das Bergell sowie das angrenzende Tessin und Italien. Die beiden kannten Wanderwege, Ortschaften, Berghütten und Pässe. Sie schwelgen in Erinnerungen. Und dann streifen sie noch kurz die Politik, als Hedi Fuhrer von ihrem Vater erzählt. Er war Geometer und der letzte Gemeindepräsident von Höngg, bevor dieses in Zürich integriert wurde. Damit verlor er seine Existenz und musste sich eine neue aufbauen. «Von ihm habe ich das Faible für Zahlen. Meine erste Stelle nach der KV-Lehre in einer Lichtpaus-anstalt bestand hauptsächlich im Zusammenzählen von Rechnungen. Eines Tages machte mir meine Chefin das grosse Kompliment, nämlich dass ich keine Fehler machen würde. Nun Übung macht den Meister. Noch bis heute mache ich meine Buchhaltung selber. Man weiss dann, wie man steht und weiss, ob man das und jenes anschaffen darf.» Dann folgt ein reges Gespräch mit Bänziger über das Schuldenmachen von jungen Menschen, aber auch von Gemeinden und Staaten. «Das haben wir früher nicht gekannt», gibt die Jubilarin zur Antwort. «Wir haben gekauft, was wir zahlen konnten.»

Schon ist es zwölf Uhr und sie begibt sich mit ihrer Seelenverwandten Brigitte Steingruber ins Kaffeestübli, wo Heimleiter Dieter und Pflegeleiterin Rosmarie Geuter mit ihnen mit einem Cüpli auf den Hundertsten anstossen und die zwei im Anschluss ein feines, selbst ausgewähltes Menü geniessen. Am nächsten Tag ging es weiter, eine Musik brachte am Nachmittag ein Ständchen zum Hundertsten.

 
 

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