Oberrheintal 15.06.2013 01:33:00

Auch Freiheit hat ihren Preis

Am Donnerstag wählte der Verein SwissCross Brigitte Lüchinger und Hansjörg Lehmann in den Vorstand. Der Soziologe Peter Gross sprach zum Thema «In und out - die Lebenslotterie».
MAX PFLÜGER

Die Mitglieder des Vereins SwissCross trafen sich dieses Mal in den Räumen der Zünd Systemtechnik zur Hauptversammlung. Im Anschluss an die speditiv erledigten Vereinsgeschäfte zeigte der emeritierte St. Galler Soziologieprofessor Peter Gross in seinem Referat die soziokulturellen Hintergründe von psychischem Versagen in der Arbeitswelt auf und zeigte dabei: Die Freiheit hat ihren Preis. Zuvor verabschiedete die Versammlung die Vorstandsmitglieder Franco Schneller, Vertreter der Psychiatrie Süd, und Mike Zünd, Vertreter der Unternehmer. An ihre Stelle wurden Hansjörg Lehmann, Widnau, als Vertreter der Gemeinden und Sozialämter und Brigitte Lüchinger, Kriessern, als Vertreterin der Unternehmer gewählt.

Als Soziologe geht Peter Gross die Betrachtung des psychischen Versagens aus der Sicht der soziokulturellen Gegebenheiten der heutigen Gesellschaft an. Verbunden mit TV, Handy und Internet sieht und hört der Mensch alles, aber er bringt es oft nicht mehr auf die Reihe und verliert den Überblick. «Das ist das Alzheimer unserer Gesellschaft», diagnostiziert er.

Der freie Markt ist brutal

Seit dem Mittelalter hat in unserer Gesellschaft ein Begriff die absolute Vormachtstellung erlangt: Freiheit. Doch auch sie kostet etwas. Fünf Preise zählt Gross auf: Freiheit bringt für viele Überforderung. Er erinnert an die Frage aus dem alternativen Kindergarten: «Müssen wir heute wieder tun, was wir wollen?» Zum Zweiten schliesst die Freiheit das Risiko der Wahl ein: Man weiss nie, ob man sich richtig entschieden hat. Drittens: Eine ungewisse Zukunft ist ein Qualitätsmerkmal der Freiheit, denn man ist nie sicher, wie sich die anderen entscheiden.

Zum Vierten: Wählen ist immer Platzbesetzung. Mit meiner Wahl beschränke ich die Wahlmöglichkeit der anderen. Fünftens werden durch die Auswahl immer andere ausgeschlossen, der freie Markt ist brutal. Es gibt Menschen, die auf jede Bewerbung eine Absage bekommen.

Nach der Diagnose hat Peter Gross aber auch Anregungen zum Umgang mit den Benachteiligten: Vor allem will er nicht von psychisch Kranken reden, das tönt für ihn zu absolut, zu unabänderlich. Lieber hört Gross von psychisch Erkrankten, das beinhaltet die Änderung, gibt Perspektiven zur Heilung. Die ausgetrockneten Arbeitsmärkte zum Beispiel öffnen laut Gross Türen: Anstelle der Zuwanderung von aussen sähe er die Zuwanderung von innen: die Integration von Frauen, von Senioren und schliesslich auch von Behinderten in die Arbeitswelt.

Es braucht Gemeinschaftssinn

Der Liberalismus, fordert er, braucht eine Blutauffrischung. Er braucht die Zufuhr von neuem Gemeinschaftssinn, er braucht das Verständnis der Gewinner für die Verlierer, er braucht neue Empathie im Management. Ein gutes Übungsfeld für diese Qualitäten ortete der Redner in der Arbeit von SwissCross.

 
 

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