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Rheintal 06.08.2013 08:45:00

«Jeder will gewinnen»

«Jeder will gewinnen»
In Altstätten wird im September erneut eine ida-Woche (interreligiöse Dialog- und Aktionswoche) durchgeführt. Urs Noser und August Waser sind Mitglieder der Arbeitsgruppe. Sie sprechen im Interview über die «Altstätter Erklärung» und praktische Beispiele für ihre Anwendung.

Urs Noser, zur ida-Woche plant die Altstätter Arbeitsgruppe fast täglich eine Veranstaltung. Warum ist der Anlass so gross?

Urs Noser: Altstätten war von Anfang an im interreligiösen Dialog aktiv. Seit 2005 die «St. Galler Erklärung» formuliert wurde, ist es nun die fünfte Aktionswoche. In Altstätten ist die Arbeitsgruppe breit abgestützt. An jedem Anlass (siehe Kasten) zeigen wir auf, in welcher Form alltäglich ein Dialog stattfindet oder gesucht wird.

August Waser, Sie sind zum dritten Mal in der Arbeitsgruppe aktiv. Ziehen Sie bitte ein Fazit.

August Waser: Die Folgen und Auswirkungen sind nicht spektakulär. Es sind kleine Schritte, die jeweils einen Effekt ausstrahlen.

Welcher wäre das zum Beispiel?

Waser: Aus einer Dialogwoche entstand der Verein Rhiimix. Im Herbst 2009 erlangten Rheintalerinnen und Rheintaler verschiedener Kulturen einen Weltrekord. Sie bewegten einen Zug von Hand. Der Verein ist im Moment nicht aktiv, der Effekt des Zusammenhalts strahlt aber aus.

Wie sieht das aus?

Noser: Körperschaften und Vereine pflegen einen intensiven Kontakt zu den Kulturen - auch ausserhalb der Aktionswochen. Werte sind immer von Religionen geprägt und bestimmen den Alltag - in Schule, Arbeit und Freizeit.

Herr Noser, Sie erwähnen die «St. Galler Erklärung». Es gibt doch ein Pendant für Altstätten?

Noser: Die «Altstätter Erklärung» ist ein Manifest von 2009. Sie lehnt sich an die «St. Galler Erklärung» an. Sie beinhaltet vier Schlagworte. Wir greifen sie dieses Jahr auf und geben ihnen Inhalt. Wir zeigen in konkreten Begegnungen auf, was sie fordern.

Nennen Sie bitte die Schlagworte.

Noser: Ehrfurcht und Respekt vor dem Leben. Gerecht, fair und wahr handeln. Einander achten und schätzen. Recht auf Freiheit und Sicherheit.

Was kennzeichnet ida 2013?

Waser: Vor zwei Jahren schufen wir mit dem «Respect-Camp» einen künstlichen Begegnungsort. Dieses Jahr gehen wir dorthin, wo das Zusammenleben der Kulturen jeden Tag normal ist. Das ist zum Beispiel der Fussballplatz, das Josefsheim, der Jung Rhy und das Kirchgemeindehaus.

Noser: Jeder Tag wird einem Slogan zugeordnet.

Welcher Slogan bedarf besonderer Aufmerksamkeit?

Noser: Einander achten und schätzen. Damit tun sich viele in Altstätten schwer.

Waser: Aufgrund des Empfangs- und Verfahrenszentrums (EVZ) und der Migranten ist das Schlagwort hier immer wieder Thema.

Noser: Die Menschen sind da, waren es auch immer. Sie haben ein Recht auf Respekt.

Bekommen Sie diesen Respekt?

Noser: Bei Menschen, die langfristig hier leben, zeigt sich in den letzten zehn Jahren eine positive Entwicklung. Die zweite Generation ist besser integriert als die Einwanderer selbst.

Waser: Früher hatte man Angst, das Niveau einer Klasse sinke wegen Fremdsprachiger. Heute sind alle mit derselben Sprache aufgewachsen. Man versteht sich von Anfang an, wenigstens verbal.

Multikulturell: Ist das ein Schlagwort oder Realität?

Waser: Der Ausdruck multikulti ist negativ besetzt. Wir möchten die positiven Aspekte hervorheben. Dann wirken die weniger guten Aspekte nicht übermächtig.

Noser: Ich kann Verhaltensweisen durch Begegnung und Information besser einordnen. Das bedingt, dass ich die eigenen kenne.

Waser: Wir Schweizer werden selbst oft in Frage gestellt. Vielfach herrscht das Verständnis vor, wir müssen integrieren und die Zugereisten empfangen. In unserer Arbeitsgruppe wird das gelebt, was wir mit der Woche erreichen wollen. Jeder Einzelne macht mit und ist Teil dieses Prozesses. Es kann sich nur eine Balance ergeben, wenn beide Seiten Schritte gehen.

Wie darf ich mir die Woche vorstellen?

Noser: Wir wollen nicht plakativ, sondern pragmatisch sein. Der Alltag ist nicht spektakulär. Aber wir zeigen, was passiert.

Was ist das zum Beispiel?

Noser: Am Mittwoch sind wir auf dem Sportplatz Grüntal. In einer Fussballmannschaft haben alle das gleiche Ziel. Jeder will gewinnen - mit der Mannschaft.

Sie sprechen von Gewinnern. Können wir an der Zuwanderung gewinnen?

Waser: Die Schweiz ist heute schon Gewinnerin. Viele Firmen im Rheintal haben sehr viel geschafft - mit Menschen aus anderen Ländern. Für die Schweizer gab es auch einmal eine Zeit, in der sie darauf angewiesen waren, auszuwandern.

Die ida-Woche wird mit einer Ausstellung eröffnet. Was ist die Botschaft?

Noser: Es werden einzelne Personen aus der Bibel porträtiert, die Fremde oder Flüchtlinge waren. Auf dem Hintergrund, ob und wie Christen wie Juden Gastfreundschaft erfuhren, möchten wir anregen, die eigene Haltung zu hinterfragen.

Was hat der Besuch des Kaffee-Treffs für Asylsuchende mit dem interreligiösen Dialog in Altstätten zu tun?

Waser: Das ist eine der Auswirkungen, von denen ich eingangs sprach. Hier kreuzen sich zwei Gruppierungen: Die ökumenische Erwachsenenbildung greift das Thema ida-Woche auf und zeigt, es ist für sie relevant.

Und warum besuchen Sie den Jung Rhy und das Josefsheim?

Noser: Es gibt auch bei Migrantinnen und Migranten alte und behinderte Menschen. Das Thema nimmt an Aktualität zu. Die erste Generation kommt ins Pensionsalter. Im Josefsheim gehen täglich Schweizer und Migranten jeden Alters ein und aus, im Jugendtreff, bei den Sozialen Diensten, im Kindergarten, in der Suchtberatung. Wir stellen diesen alltäglichen Ort der Begegnung an einem Tag ins Zentrum.

Welches Ziel verfolgen Sie mit ida 2013?

Waser: Unser Ziel wäre nicht erreicht, beschränkten sich all die Bemühungen auf diese eine Woche. Wir geben Impulse, die den Grad der Selbstverständlichkeit zum Dialog wachsen lassen. Hoffentlich.

Interview: Monika von der Linden

 
 

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